Uneingeschränkte Toleranz führt zum Verschwinden der Toleranz

Drei Schülerinnen unserer Schule nahmen am Netzwerktreffen "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" in Bayreuth teil. Sie erlebten eine beeindruckende Lesung zum Thema Rechtsextremismus und diskutierten in Workshops über Hate-Speech und Demokratie.

Am 12. Mai 2026 vertraten drei Schülerinnen der 8. Jahrgangsstufe begleitet von Herr Pfister unsere Schule beim Netzwerktreffen im ZENTRUM, dem Internationalen Jugendkulturzentrum Bayreuth.

Der Autor Nils Oskamp las aus seiner autobiographischen Graphic Novel. Darin berichtet er von seinen erschütternden Erfahrungen als Jugendlicher in Dortmund, wo er von Nazis verfolgt und mehrfach lebensgefährlich angegriffen wurde. Die Lesung machte eindrucksvoll deutlich, wie real und gefährlich rechtsextreme Gewalt ist.

Im zweiten Teil der Veranstaltung fanden parallele Workshops für Lehrkräfte und Jugendliche statt.
Der Lehrerworkshop der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus beleuchtete konkrete Strategien, mit denen rechtsextreme Parteien und Bewegungen wie "Die Heimat" (NPD-Nachfolgeorganisation), die "Identitäre Bewegung", "Der Dritte Weg" und auch mehrere AfD-Politiker versuchen, Schulen mit ihrer menschenverachtenden Ideologie zu unterwandern – insbesondere durch Social-Media-Content.

In zwei parallelen Workshops erweiterten auch die Schülerinnen ihr Wissen zu aktuellen Themen. Im Workshop zu Hate Speech lernten sie, Cybermobbing, Hassrede und alltägliche Meinungsäußerungen voneinander zu unterscheiden und setzten sich damit auseinander, warum Respekt im Internet genauso wichtig ist wie im echten Leben.

Im zweiten Workshop beschäftigten sie sich mit dem Demokratie-Lernspiel "Quararo", das verschiedene Demokratie- und Wahlsysteme unter die Lupe nimmt. Sie setzten sich mit unterschiedlichen Entscheidungsverfahren auseinander – von der Mehrheitswahl über parlamentarische Systeme bis hin zum Konsens- und systematischen Konsensverfahren.

Das Netzwerktreffen bestärkte unsere Schulgemeinschaft darin, sich für demokratische Werte einzusetzen und aktiv gegen Rassismus, Sexismus und Menschenverachtung zu stellen. Wir dürfen nicht wegschauen – wir müssen aufstehen, wenn Menschen entwürdigt werden.

Dies ist die Lehre aus Karl Poppers Paradoxon der Toleranz: Nur durch die Verteidigung einer toleranten Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz können wir die Toleranz selbst bewahren.

Philipp Pfister