Kapp-Preis im Zeichen der Nachhaltigkeit

Jedes Jahr engagieren sich zahlreiche Schülerinnen und Schüler der Oberstufe der Gymnasien in Stadt und Landkreis Coburg und der Fachoberschule beim Kapp-Preis, einem hochdotierten Wettbewerb zur Förderung des Ingenieurnachwuchses in der Region. Vom Arnold-Gymnasium waren diesmal sechs Forscherinnen und Forscher mit dabei. Für alle waren die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit von zentraler Bedeutung für ihre Experimente und Untersuchungen. Max Paulfranz wurde von der Jury einstimmig zum Schulsieger bestimmt und erhält für seine herausragende Arbeit ein Preisgeld von 1200 Euro.

Max untersuchte die Synthese von Polyurethanen aus Kohlenhydraten und Sorbit. Polyurethanschaum wird zum Abdichten von Fenstern und Türen und als Dämmmaterial verwendet. Seine Ausgangsmaterialien werden in der Regel aus Erdöl gewonnen. Bei der Entsorgung und Verbrennung entstehen giftige Gase.

Deshalb hatte Max es sich zum Ziel gesetzt, Polyurethane aus anderen, umweltfreundlichen und nachwachsenden Rohstoffen zu synthetisieren. Den Grundversuch dazu fand er im Internet. Zahlreiche Variationen dieses Experiments, die er der Jury in einer beeindruckenden Fotodokumentation präsentierte, führten ihn schließlich zu seiner finalen Rezeptur. In weiteren Schritten müsste man sich nun mit Fragen der technischen Einsetzbarkeit, der Beständigkeit und der Herstellung in größeren Mengen beschäftigen.

Pascal Timm, Zweitplatzierter der schulinternen Ausscheidung, stellte der Jury in überzeugender Art und Weise Überlegungen für eine effiziente und biotechnologische Synthese von PHB, das dann von Bakterien gut abgebaut werden kann, vor. Aus PHB sind beispielsweise die Plastikteile der Treibhülsen von Feuerwerkskörpern, die nicht verwittern. Synthetisiert man das PHB allerdings mit Hilfe von Bakterien aus altem Fritteusenfett, Treber und Melasse, wäre dieses Problem gelöst. Coronabedingt konnte Pascal leider keine Experimente durchführen, was der Qualität seiner Arbeit aber kaum einen Abbruch tat.

Mit ganz ähnlichen Problemen setzten sich Nina Steckmann, Alina Potreck, Lisa Frey und Lisa Büchner auseinander. Stets stand die Synthese eines Materials, das eigentlich aus Erdölderivaten hergestellt wird, mittels nachwachsender, umweltfreundlicher Stoffe im Fokus. Auch die vier jungen Frauen überzeugten durch anschauliche, gut nachvollziehbare und fachlich äußerst fundierte Vorträge.

Dementsprechend gab es viel Lob von der Jury, insbesondere von Prof. Dr. Gerhard Lindner von der Hochschule Coburg, der die Präsentationen via Videokonferenz mitverfolgte und den Wettbewerbern mit zahlreichen Fragen auf den Zahn fühlte. Einen großen Dank gab es an StD Stefan Gagel, der trotz Corona und Distanzunterricht die Schülerinnen und Schüler nach Kräften in ihrer Arbeit unterstützte.

Dr. Karl-Heinz Sänger